Gambia Reisebericht vom 26.03. – 03.04.2022

Nach langen Vorbereitungen und immer wieder geänderten Corona Einreisebestimmungen hatte ich endlich alle Dokumente zusammen: Impfzertifikat für Belgien und Gambia, Passenger Locator Form für den Transit in Belgien, die elektronische Einreisemeldung für die Rückreise nach Deutschland, Pass, und die Bordkarten. Aktuell gibt es keinen Direktflug von Deutschland, so dauerte meine Anreise von Frankfurt über Brüssel und Dakar nach Banjul 11 Stunden. Unterwegs hatte ich nette Gesellschaft, neben mir saß ein Senegalese, der mir von seiner deutschen und seiner senegalesischen Frau erzählt hat sowie von seinem Business mit gebrauchten Autos, Kühlschränken usw. Mehr recht als schlecht klappt es mit meinem Englisch, wie gut, dass Oumar, so hieß der junge Mann, auch etwas Deutsch verstand. Zum Abschied sagte er mir, falls ich interessante gebrauchte Autos anbieten könne, solle ich mich einfach bei ihm melden.

Nachdem ich dann in Banjul gelandet war und 20 € Sicherheitsgebühr bezahlt hatte, mein Fingerabdruck gescannt und ein digitales Foto von mir erstellt wurde, ich die Impfunterlagen gezeigt sowie endlich mein Gepäck hatte, wurde dies jetzt erst noch einmal kontrolliert. Und dann habe ich es endlich geschafft. Waltraud, meine deutsche Freundin, wartet schon in der Ankunftshalle auf mich. Es war ein herzliches Wiedersehen nach drei Jahren. Und das erste was sie sagt, hier gibt’s kein Corona, nimm Deinen Mundschutz ab. Und den habe ich weder im Hotel noch sonst irgendwo gebraucht, nur zur Besichtigung einer Krankenstation, aber dazu später mehr. Bis ich dann im Hotel alles ausgepackt hatte, war es schon nach Mitternacht und ich habe geschlafen, bis mich das Vogelgezwitscher geweckt hat.

Aufgrund der langen Anreise haben wir für Sonntag einen langen Strandspaziergang geplant. Am Strand habe ich viele neue Holzhütten und auch gemauerte Häuschen gesehen, an denen Getränke verkauft und Strandliegen angeboten werden. Der jeweilige Strandbereich wird sauber gehalten. Je weiter man sich allerdings entfernt, umso mehr Müll insbesondere auch Plastik liegt herum.
Alle hoffen, dass der Tourismus endlich in Gang kommt um wieder eine helfende Einnahmequelle zu haben, denn auch in Gambia ist der Preisanstieg deutlich spürbar.

Brufut Strand – Vitamin Sea

Unterwegs bei einer Pause an solch einer Strandbar treffen wir ein sympathisches holländisches Ehepaar, welches seinen vorzeitigen Ruhestand in einem eigenen Haus in Gambia genießt. Die beiden sind glücklich und zufriedenen mit dieser Lösung. Und ich überlege im Stillen, ob ich noch drei Jahre bis zur Rente warten soll oder vielleicht doch nach 45 Arbeitsjahren vorzeitig den nächsten Lebensabschnitt genießen möchte?

Montag morgens ist es soweit, endlich nach drei Jahren besuche ich unsere Schule in Brufut. Unser Vereinsmanager Mr. Hatab Beyai ist vor Ort und stellt mir unseren neuen Schuldirektor Mr. Oumar Jammeh vor.

Mr. Hatab Beyai, Heike Hagemann, Mr. Oumar Jammeh
Brufut Schule – alles schaut gepflegt aus

Mr. Jammeh unternimmt mit uns einen Rundgang über das Schulgelände sowie durch alle Klassen. Wir schauen den Computerraum, den erweiterten Schulgarten sowie das Kreativhaus an und begrüßen unsere Köchinnen, die mich wieder erkennen und nach meinem Mann fragen.
Heute werden – vor den Osterferien bzw. dem bevorstehenden Ramadan – in allen Klassen Tests geschrieben.

Dieses Jahr hatte ich mir vorgenommen, Zeit in den Nursery Klassen zu verbringen also bei den 4- bis 6-jährigen Kindern. Wichtig ist, dass die Kleinen in dieser Zeit Englisch lernen damit sie später in der Primary School dem Unterricht folgen können. Denn zuhause wird häufig in einer der vielen einheimischen Sprachen gesprochen, wie zum Beispiel Mandinka. Ein Mitarbeiter in meinem Hotel erzählte mir, dass sein Sohn auf unsere Schule von Socialis for the Gambia geht und dass er zuhause mit ihm Englisch spricht. Das könnte eine Ursache für den unterschiedlichen Bildungsstand der Kinder sein.

Auch bei den Kleinen wurden heute Tests geschrieben. In einer der 1. Klassen wurde gerade der Rechentest verteilt. Hier sollten die Kinder von den Zahlen 1, 2, und 3 eine Verbindungslinie zu Bildern der entsprechenden Anzahl ziehen. Das ist für vierjährige schon recht schwierig und so wurde oftmals ein Radiergummi von der Lehrerin geholt um zu korrigieren.

Brufut – Nursery Rechentest

Die Kinder der zweiten 1. Klasse hatten gerade den Schreibtest erhalten z. B. sollte der Buchstabe ‚a‘ mehrmals untereinander geschrieben werden.

Brufut – Nursery Schreibtest
Brufut – Nursery Kunst Test

In einer der 2. Klasse sollten die Kinder zum Beispiel Formen ausmalen. Hierzu musste die Lehrerin allerdings erst die Buntstifte anspitzen. Wir haben ihr geholfen, die Kinder konnten zügig beginnen und wir waren mittendrin. Immer wieder kamen sie zu uns um stolz ihr Kunstwerk zu zeigen.

In den Klassenräumen sind diverse Abbildungen an den Wänden z. B. mit einem Wort sowie dem entsprechenden Bild dazu.

Und in jedem Klassenzimmer steht ein Kübel mit Wasser, aus dem die Kinder bei Bedarf mit einem Becher schöpfen und trinken dürfen.

Am späten Nachmittag fahren wir zu Waltraud nach Hause. Sie lebt in ihrem eigenen Haus und hat sogar ein kleines Häuschen für ihre Nachtwächterfamilie auf ihrem Grundstück gebaut. Während meiner letzten Reise im März 2019 hatte ich den Rohbau angeschaut und jetzt ist alles fertig.

Im Garten wachsen Bananen, Moringa, Cashews, Zucchini, Papaya usw. Waltraud arbeitet für eine deutsche Firma, die ein Business in Gambia aufbaut und ist mit Alhagy, einem Gambianer, verheiratet.
Sie hat sich extra eine Woche Urlaub genommen, um mir Land und Leute näher zu bringen. Heute Abend haben wir beiden gekocht und später gemeinsam mit Ihrem Mann gegessen.

Am nächsten Morgen geht’s früh lost, wir wollen zu unserem zweiten Vereins Standort nach Sintet fahren und auf dem Rückweg in Bintang den kleinen Femere und seine Mutter Binta besuchen.
Unterwegs nehmen wir einen Feuerwehrmann mit, der einen weiten Weg zu seiner Dienststelle hat.

Ja und wir halten natürlich wieder bei dem Honighändler an. Dort wird schon wieder das nächste Gebäude gebaut. Ich übergebe ihm eine große Packung Wildblumensamen für Wildbienen, den mein Mann von der Deutschen Wildtierstiftung erhalten hatte. Der Imker hat sich riesig gefreut. Und natürlich kaufe ich wieder den intensiv schmeckenden Honig und hoffe wie die letzten Male, dass ich die Flaschen heile nach Hause bekomme.

Honighändler

Wir kommen in ein Gebiet mit vereinzelten Polizeikontrollen d. h. langsam fahren, freundlich grüßen und hoffen, dass man weiterfahren darf. Eine Polizistin lässt uns stoppen, aber Waltraud kennt einen neben ihr stehenden Beamten, spricht ihn an und es gibt ein großes Hallo. Wir steigen aus, gehen in sein kleines Büro und die beiden haben einiges zu erzählen.

In Sintet angekommen, werden wir herzlich empfangen. Lamin, unser Landwirtschaftslehrer, zeigt uns stolz die Pflanzungen. Im Außenbereich hat er größere Pflanzen u. a. Bananenstauden als Windschutz gepflanzt. Das Gelände wird mittlerweile als Women Garden genutzt, d. h. die Frauen der umliegenden Dörfer bauen hier ihr Gemüse an. Die Schulkinder kommen nachmittags, um mit dem Brunnenwasser die Pflanzen zu bewässern.

Sintet – Womengarden
Sintet – Schulkinder am Brunnen

Hinter der Mauer unseres Grundstücks steht ein wunderschöner, großer, stolzer Silktree, die weißen Büschel Baumwolle fliegen wie Schnee durch die Luft. Waltraud würde dieses Material gerne mit einer Spinnmaschine weiterverarbeiten.

Sintet – Silktree, Lamin und Waltraud

Kaddy, die Schneiderlehrerin, zeigt uns den Raum mit den Nähmaschinen. Ein Schneiderschüler ist fleißig an seiner Maschine. Die Schülerinnen kommen erst nachmittags, da sie erst ihre Familien versorgen und kochen müssen.

Sintet Schneiderei – Lehrerin Kaddy

Am frühen Nachmittag fahren wir zurück und werden einen Stopp in Bintang machen. Ich bin so gespannt, ob wir Binta und ihren Sohn Femere antreffen. 2017 hatte ich die beiden auf meiner ersten Gambia Rundreise kennen gelernt und 2018 sowie 2019 besucht. Drei lange Jahre sind vergangen. Treffen wir die beiden ohne Voranmeldung an? 

Unglaublich, Binta sieht und erkennt mich sofort, ihre Augen strahlen, unterhalten können wir uns nicht, da ich ihre Sprache nicht spreche – wir verstehen uns auch ohne Worte. Sie holt sofort ihren Sohn Femere. Ich hatte für den Kleinen ein Bilderbuch mit Abbildungen und den entsprechenden englischen Begriffen mitgebracht.

Bintang – Besuch im Dorf bei Binta und Femere

Binta hat mich in ihren kleinen Schlafraum mitgenommen und unter der Matratze alle Fotos, die ich ihr jeweils bei meinen Besuchen geschenkt hatte, hervorgeholt. Ich war sehr gerührt, dass sie die alle aufbewahrt hatte. Und dann hat sie mir einen traditionellen Mandinka Stoff als Geschenk übergeben.

Traditioneller Mandinka Stoff
die alten Fotos von 2017,2018,2019

An dem kleinen Verkaufsstand habe ich Femere noch einen neuen Ball gekauft, er ist so schnell ganz stolz damit zurückgerannt, dass ich kaum noch ein Foto machen konnte. Dann heißt es Abschied nehmen damit wir noch im Hellen zurück fahren können.

Femere mit seinem neuen Ball
Abschied von Binta und Femere

Der Rückweg zog sich lang hin. Zwischendurch hatte uns noch eine Polizeisperre angewiesen, drei Schülerinnen mitzunehmen. Insgesamt waren wir heute ca. 300 km unterwegs. Müde und mit vielen neuen Eindrücken bin ich dann abends im Hotel angekommen.

Am Mittwoch haben wir uns mit Hatab und den Amberger Vereinsmitgliedern Otto und Theresia Finger sowie ihrer Tochter am Skillcenter in Brufut getroffen. Awa, unsere Organisatorin vom Skillcenter, hat uns herumgeführt. 

Treffen am Skillcenter in Brufut
Brufut Skillcenter – in der Schneiderei werden zur Zeit Taschen genäht
Brufut Skillcenter – die Friseurinnen haben aufwändige Flechtfrisuren und ihr Können beim Schminken von Gesichtern gezeigt
Brufut Skillcenter – das Praktikantenhaus wartet auf neue, interessierte, junge Menschen, die einmal ein halbes Jahr in Gambia hospitieren möchten
Brufut Skillcenter – Awa zeigt uns den zur Straße geöffneten Shop

Anschließend gehe ich gemeinsam mit Waltraud zum Brufut Health Center. Ich habe Glück, eine freundliche Mitarbeiterin nimmt sich die Zeit uns alles zu zeigen. Die Station wurde wohl vor kurzem mit Mitteln von Holländern und Belgiern frisch renoviert. Für Menschen, die nicht gut lesen können, wird viel in Bildsprache dargestellt und es wurden informative Poster aufgehängt.

Brufut – Health Center
Brufut – Health Center Wartebereich
Brufut Health Center – Information zur Polio Impfung

Abends hatte ich Hatab zum Essen eingeladen. Nach langen drei Jahren gab es so viel zu erzählen. Persönliches, sowie Vereinsthemen und wir haben uns auch über die eine oder andere meiner Beobachtungen in Gambia unterhalten. Zwei Stunden alles in Englisch.

Unglaublich, Donnerstag bin ich aufgewacht und meine englisch geträumt zu haben.
Heute fahren wir zu Mama Africa. Isha Fofana hat hier auf einem großen Gelände ein wunderschönes Art Center aufgebaut. Wir spazieren durch einen blühenden Garten und schauen uns anschließend die umfangreiche Kunstsammlung im Innenbereich an, leider dürfen wir hier keine Fotos machen.

Eingangsbereich – das Tor mit wunderschönen Verzierungen

Und wir besuchen das dazugehörige Gesundheitsgebäude. Auf der Website von Mama Africa gibt es den Verweis auf die Kooperation zu einem schweizerischen Projekt Kendeyaa* – Natural Health Care & Education, The Gambia von HMSwiss. Interessierte junge Menschen werden zu Homöopath*innen ausgebildet um anschließend praktisch im Ambulatorium (tägliche Sprechstunden) zu arbeiten oder mit sogenannten Mobile Clinics auf Anfrage verschiedene Dörfer und Quartiere besuchen um die Leute vor Ort ambulant zu behandeln.

Waltraud hat eine Frage bzgl. eines Hautproblems und erhält ohne Termin eine Beratung sowie Globuli und einen Folgetermin – bisher kostenlos.

Schrank mit Globuli

Vor der Weiterfahrt sehe ich von Weitem zwei Windräder, es sind bewusst die ersten, die ich in Gambia gesehen habe.

Zwei Windräder in der Nähe von Tanji

Auf dem Rückweg halten wir in dem Fischerstädtchen Tanji. Hier stinkt es extrem unangenehm nach Fisch. Wir gehen über den Markt und laufen bis runter zum Strand, wo Menschen mit Schubkarren auf die Rückkehr der Fischerboote warten. Ich habe hohen Respekt vor den Menschen, die hier leben, unter welchen Umständen sie versuchen ihren Lebensunterhalt zu sichern. Unsere Welt ist im Ungleichgewicht – schwarz oder weiß und reich oder arm – aber die Verteilung ist definitiv kaputt.

Tanji – warten auf den Fisch

Bevor es heim geht, freuen wir uns auf einen Besuch bei Peter und seiner Familie in der Nähe des bird watching points in Brufut. Sie sind auch Vereinsmitglieder von Socialis for the Gambia. Gemeinsam mit einem sympathischem jungen Gambischen Ehepaar haben sie ein Haus gebaut, autark mit Solaranlage und Brunnen, und wohnen dort gemeinsam. Wir wurden herzlich empfangen und bewirtet. Es gab zu so vielen Themen rund um den Verein und Gambia einen intensiven Gedankenaustausch, sodass der Nachmittag viel zu schnell verging.

Blue Kitchen – Bäcker Peter

Freitag morgens halten wir auf dem Weg nach Serekunda an dem Projekt Blue Kitchen an. Es gibt einen Women Garden, ein Restaurant und eine Bäckerei. Waltraud erzählte mir, dass die Ausbildungsstellen hier früher sehr begehrt waren, aber zurzeit wohl nicht angeboten werden. Für unterwegs kaufen wir uns ein kleines Brot bei Bäcker Peter, es schmeckt wie in Deutschland!

Serekunda

Der anschließende Rundgang in Serekunda hat alle meine Sinne extrem gefordert. Es war hektisch, laut, schwülwarm, viele Menschen und Autos sind unterwegs, der Weg war uneben und mal Sand mal Stein – mein oberstes Ziel war, bloß Waltraud nicht aus den Augen verlieren und auch nicht mein Mobile, denn darauf sind Impfpass und Flugdaten für die Heimreise.

Abends laden mich Waltraud und Alhagy zu ihrem Hochzeitstag zum Essen ein. Es war ein netter Abend mit Gesprächen über das Leben in Deutschland sowie in Gambia.

Und von unseren Plätzen aus konnten wir das bunte Straßengeschehen sowie live einen Straßenkünstler oder auch Musikgruppen miterleben, die sich ein paar Dalasi verdienen wollten.

Senegambia Strip, Pizzeria Paradiso

Abschließend möchte ich Euch auch noch einige Beobachtungen von Land und Leuten mitteilen. Gambia hat sich in den letzten drei Jahren verändert. Der Flughafen wurde modernisiert, sodass Ein- und Ausreise angenehmer ablaufen und es gibt einen Duty Free Shop sowie eine hübsche Bar. Die Hauptstraße von und zum Flughafen wird verbreitert auf 3 Spuren je Richtung. Waltraud hat mir erzählt, dass ein Bulldozer links und rechts alles frei gemacht hat inklusive eines Balkons der zu weit überstand, der fehlt jetzt einfach an dem Haus. Und es sind so viel mehr Autos auf den Straßen, oft größere und auch neuere, mein Sitznachbar vom Hinflug wird gut daran verdienen. Viele neue Gebäude sind entstanden oder noch im Bau. Und wenn dann mal LKW’s mit Sand beladen vor uns herfahren, ist unserAuto samt Insassen gelb gepudert.

Die Arbeiten haben begonnen, diese Straße wird auf 6 Spuren verbreitert.
Unterwegs mit einer lebenden Ziege auf dem Dach.
Eine alte Bäckerei, der Brötchenofen steht draußen.
Neubau
Kühe am Straßenrand
Gemüsestand mit einer großartigen Auswahl direkt an der Straße.

Und dann war er da, der Abschied. Ich war doch gerade erst angekommen, mein Englisch ging mir einfacher von den Lippen und nun geht’s Samstag nachmittags schon wieder zum Flughafen. Ich bedanke mich bei all den lieben Menschen, insbesondere bei Waltraud und Hatab, die mir unermüdlich meine vielen Fragen beantwortet und meine Reise unvergesslich gemacht haben. Denn mit vielen wunderschönen Momenten, Inspirationen und neuen Gedanken für meine nächste Reise weiß ich schon heute: Gambia, ich komme wieder!

Auf dem Rückflug hatte ich wieder einen netten Sitznachbarn, ein junger Gambianer, der zwei Wochen Urlaub bei seiner Freundin in seiner Heimat gemacht hatte und jetzt zurück nach Heidelberg musste. Dort arbeitet er als Kindergärtner. Ich hatte ihm von unserem Verein erzählt und so hatten wir ein für beide Seiten interessantes Gesprächsthema auf Englisch.

Seminar zum Thema Ehrenamt

Liebe Leser meines Blogs.

Wenn ich einen neuen Blogeintrag schreibe, besonders zum Thema Gambia, fällt es mir schwer sachlich zu bleiben, oft werde ich emotional oder verfalle unbewusst in eine subjektive Darstellung. Wenn mein Mann einen vermeintlich fertigen Bericht Korrektur gelesen hat und sagt: „das kannst Du besser“, dann weiß ich Bescheid. Aber wie bringe ich mich selber dazu, anders zu denken und das dann auch noch korrekt zu schreiben?

Im Februar 2022 habe ich auf den Nordstadtbloggern eine Seminareinladung von der Neven Subotic Stiftung zum Thema „Zivilgesellschaftliches Engagement bleibend verankern“ gelesen. Ehrlich gesagt war ich unsicher und habe gezögert mich anzumelden. Aber meine Neugierde war schließlich größer, ich habe die online Bewerbung ausgefüllt. Nachdem ich den Button “senden“ gedrückt hatte, bin ich den Gedanken „hoffentlich klappt es“ nicht mehr losgeworden. Sehr zeitnah habe ich dann eine nett formulierte Einladungsmail erhalten.

Auf der Fahrt zur ersten Session hatte ich dann aber doch Kopfkino – kennt ihr das auch? Was, wenn sich jetzt dort nur junge Menschen einfinden, wollen die 60+ dabeihaben? Alles unbegründet, unser Trainer Michael Kostrzebski hat die Kennenlernrunde hervorragend gestaltet, ich habe mich willkommen gefühlt. Wir sind eine buntgemischte Gruppe von 11 Teilnehmern, die nicht unterschiedlicher sein könnte, im Alter von 21 bis 61, vom Studenten, Selbstständigen, Angestellten bis zum Politiker.

Am ersten Abend bin ich mit vielen neuen Gedanken und Ideen heim gefahren. Und alle bisherigen Sessions waren sehr abwechslungsreich gestaltet und haben auch immer Spielraum für intuitive Eingebungen ermöglicht. Da die Termine 14täglich stattfinden, bleibt zwischendurch genug Zeit, sich mit den neuen Gedanken auseinanderzusetzen oder sich auch im Freundeskreis darüber auszutauschen.

Welche Bilder habe ich im vom afrikanischen Kontinent im Kopf und woher stammen diese Informationen? Was haben meine Fotos, meine Sprache und meine Geschichten – die zwar selber erlebt und wahr sind – bei den Teilnehmern meiner Gambia Fotoabende bewirkt?

Ich bin auf die zukünftigen Sessions gespannt. Wobei ich leider einen Termin verpasse, denn ich werde Ende März unsere Schule, den Kindergarten und das Skillcenter von Socialis for the Gambia besuchen. Besonders freu’ ich mich darauf, dort die mir lieb gewonnen Menschen wieder zu sehen. Wenn ich zurück bin, werde ich berichten.

Bis dahin, bleibt gesund, Eure Heike

Nachhaltigkeit in der Entwicklungszusammenarbeit

Am 7. September 2019 habe ich mit meinem Mann Karsten Schulz die Messe FAIR FRIENDS in Dortmund besucht. Wir waren von den vielfältigen Themen und nachhaltigen Angeboten überrascht. 

Insbesondere den Beitrag von Herrn Dr. Kischlat, German Doctors, zum Thema „Hilfe, die bleibt. Über die Nachhaltigkeit in der Entwicklungshilfe“ fanden wir informativ und sehr interessant. Nachdrücklich hat er darauf hingewiesen, dass es sich nicht nur um reine Entwicklungshilfe sondern eher um eine Entwicklungszusammenarbeit handelt. Die Menschen vor Ort werden ausgebildet, damit sie später eigenständig im Gesundheitsbereich arbeiten können.
Im Anschluss an den Vortrag haben wir die Gelegenheit für einen intensiven Gedankenaustausch mit ihm an seinem Stand der German Doctors genutzt. Vielleicht kreuzen sich unsere Wege ja irgendwann einmal, wir würden uns freuen.

Auch unser Verein Socialis for the Gambia trägt ein kleines Stückchen dazu bei, dass den Kinder und Jugendlichen zukünftig eine bessere Lebensqualität ermöglicht wird. In Brufut gibt es einen Kindergarten sowie eine Schule und die Jugendlichen haben nach der Schule die Möglichkeit, eine Ausbildung als Schneider, Friseur oder Schreiner zu absolvieren. In Sintet gibt es zusätzlich zur Schneiderausbildung auch eine Ausbildung in der Landwirtschaft.

Gambia, Brufut, Ausbildung Schneider/innen

Natürlich gibt es viele weitere Projekt in Gambia, überwiegend mit dem Ziel, den Menschen vor Ort Unterstützung zu bieten, um sich eine Zukunft in ihrem eigenen Land aufzubauen. Dann werden sie auch nicht ihre Heimat und ihre Familien verlassen, um mit einem Schlauchboot übers Mittelmeer zu fahren mit dem sie vielleicht niemals in Europa ankommen.

Die Seebrücke Dortmund, eine örtliche Gruppe der Seebrücke Deutschland hatte auf der FAIR FRIENDS in einer der Messehallen ein Schlauchboot aufgebaut, welches aus dem Mittelmeer geborgen wurde. Hier konnte man ausprobieren, wie es sich anfühlt, auf so einem Boot zu sein. Unvorstellbar, wie quälend eine Überfahrt in einem überladenen Boot auf offener See sein muss.
Exemplarisch war auf dem Boden der Messehalle ein kleiner Bereich markiert, welcher das Platzangebot auf solch einem Boot für 6 Menschen darstellen sollte. Wir haben zusammen mit vier weiteren Menschen für vielleicht eine Minute schweigend innerhalb der Markierung zusammen gestanden. Ich finde keine passenden Worte, es ist menschenunwürdig.
„Wir geben den Menschen, die auf dem Mittelmeer umkamen einen Namen, damit sie nicht vergessen werden.“ Auf einem großen Banner aus Planen waren Namen der vielen Verstorbenen aufgeschrieben, darunter auch viele Kinder.

Und so etwas passiert im 21. Jahrhundert – Menschen fliegen zum Mond, Künstliche Intelligenz kommt zum Einsatz – aber es gibt seit Jahren keine generelle Lösung für Menschen, die ihre Heimat z. B. wegen Krieg, Hunger oder aus politischen Gründen verlassen haben.